Grundausrüstung zum Kerzengießen

Im Folgenden eine Übersicht aller Gegenstände, die man anschaffen sollte, bevor mit dem Kerzengießen begonnen wird. 

Wichtig: Man sollte einen (zumindest für eine Weile) dedizierten Arbeitsplatz/Tisch haben, auf dem man sich ausbreiten kann. Auf keinen Fall sollten Küche oder Esstisch "kurz" dafür in Beschlag genommen werden. Einerseits, da Kerzengießen ein eher langwieriger Prozess ist und es schonmal einen Tag dauern kann bis eine Kerze komplett fertig und getrocknet ist und andererseits, da auch bei größter Sorgfalt immer mal was daneben gehen kann.

Sämtliche Gegenstände, die man aus der Küche oder von sonst irgendwoher "ausleiht", sollten alte, ausrangierte Dinge sein, da man das Wachs kaum mehr zu 100% wegbekommt und die Gegenstände daher z.B. nicht mehr in Berührung mit Lebensmitteln kommen sollten.

Arbeitsplatz

  • Ein alter Stuhl, der auch versaut werden kann, am besten ohne Polster o.Ä. (es ist kaum zu verhindern, dass Wachskrümel darauf landen und sich festreiben)
  • Eine beschichtete Unterlage für den Tisch (z.B. Kunststoff-Tischdecke, alte Schreibtischunterlage)
  • Zeitungen: Der gesamte Arbeitsbereich sollte (auf der beschichteten Unterlage) großzügig und mehrlagig damit ausgelegt sein. Vorteil an den Zeitung ist, dass man sie immer wieder austauschen/wegwerfen kann. Ggf. auch den Boden unter der Tischkante auslegen, insb. bei Teppichboden - Wachs ist aus Textilien kaum zu entfernen.
  • Alte Bretter oder Fliesen. Aufgrund der mehrfachen Abdeckung des Arbeitstisches ist der Untergrund nicht mehr 100% eben. Damit die gefüllten Gießgefäße auf keinen Fall wackeln oder umkippen können, sollten sie auf etwas ebenem und stabilem stehen. Ich selbst nutze Abfallreste von weiß beschichteten Pressspan-Brettern aus dem Baumarkt, durch die Beschichtung kann kann man Wachs ganz gut wieder abkratzen.
  • Eine alte Camping-Herdplatte (eine von denen die man einfach in eine normale Haushaltssteckdose stöpseln kann)
  • Falls der Tisch an einer Wand steht, sollte die Tapete vor Wachsspritzern geschützt werden. Da es sich bei mir generell um einen Arbeits-/Bastelraum handelt, ist die gesamte Wand mit einer durchsichtigen selbstklebenden Schutzfolie verkleidet. Als  temporäre Lösung könnte man eine Folie wohl auch mit Tesakrepp an der Wand befestigen.

Werkzeuge

  • Ein oder zwei Messer mit glatter Klinge. Diese sollten unbedingt stumpf sein, da Wachs recht weich ist und man sich sonst schnell mal in den Finger schneidet.
  • Eine alte Nagelschere (zum Schneiden des Dochts)
  • Schaschlik-Spieße: Die ganz dünnen billigen aus dem Supermarkt mit flachem Ende. Man braucht sie zum Umrühren von flüssigem Wachs und zum Reinigen der Dochtöffnung der Gießgefäße - sie müssen so dünn sein, dass sie durchpassen (immer mit dem flachen Ende voraus).
  • Knete - Zum "Stopfen" der Dochtöffnung von außen, damit kein Wachs austritt.
  • Taschentücher/Kosmetiktücher - Zum Säubern/Ausreiben des Schmelzgefäßes, solange es noch heiß ist.
  • Fön - zum Aufweichen/Abschmelzen unsauberer Bodenkanten oder wenn die Kerze Kratzer hat
  • Alter Seidenstrumpf - Zum Polieren der fertigen Kerze (Achtung: die Kerze muss hierzu komplett abgekühlt sein!)

Bei Verwendung von altem Wachs

  • Eine hitzebeständige Metall-Pinzette (zum "Herausfischen" von größeren Docht-Resten, Folien oder sonstigem Zeug, was im Wachs rumschwimmt
  • Ein sehr feines, kleines, hitzebeständiges Küchensieb aus Metall (zum Heraussieben von kleinen Dochtresten und sonstigem Zeug, was im Wachs rumschwimmt

Gießformen

Hier sollte man auf keinen Fall am falschen Ende sparen und hochwertige, wirklich hitzebeständige Formen kaufen. Ich habe es tatsächlich einmal erlebt, dass mir eine billige Kerzengießform geschmolzen (!) ist...

Eine gute Gießform ist daran zu erkennen, dass sie

  • extrem hitzebeständig ist
  • durchsichtig ist
  • stabil steht
  • am unteren Ende eine Öffnung für den Docht hat
  • am oberen Ende eine Halterung für ein Metallstäbchen hat, was den Docht hält

Bei Formen, die an beiden Enden schmaler sind als in der Mitte (z.B. Kugeln) oder die fertige Kerze sonst irgendwie nicht einfach herauszuholen wäre, besteht die Form aus zwei separaten Teilen, die man zusammenstecken muss. Damit an der Nahtstelle kein Wachs austritt, liegen solchen Formen zusätzliche Dichtungsbänder bei. Diese Dichtungsbänder sollte man nach Gebrauch immer wieder gut säubern!

Abgießformen

Da Wachs in flüssiger Form mehr Raum einnimmt als wenn es abgekühlt ist, muss man fast jede Kerze mindestens einmal "nachgießen" (Je heißer das Wachs ist, desto mehr, daher ist generell zu empfehlen, Wachs nur so heiß wie nötig zu machen). Daher muss man immer etwas mehr Wachs haben als in die Form passt.

Darüber hinaus möchte man beim Mischen von Farben oder auch generell beim Einschmelzen von Restwachs zunächst einmal sehen, wie es rauskommt, bevor man eine Kerze damit gießt.

Um Wachs abzugießen kann man natürlich einfach die normalen Gießformen (ohne Docht, das Loch von außen mit Knete versiegelt) benutzen, die dann allerdings eine ganze Weile "belegt" sind. Vor allem wenn man nicht viele Formen hat, ist dies eher suboptimal.

Ich habe festgestellt, dass sich Silikon-Backformen hervorragend dafür eignen, Wachsblöcke für spätere Verwendung zu gießen. Einerseits sind sie perfekt wachsabweisend und hitzebeständig, andererseits sind sie elastisch, was das Herausnehmen des Wachses einfacher macht, auch wenn es noch nicht ganz fest ist (bei Gießformen muss man immer warten bis es komplett durchgetrocknet ist).

Besonders praktisch sind Formen, die mehrere kleinere Öffnungen einer festen Größe haben - ich habe z.B. 3 Formen mit jeweils 6 Öffnungen, wobei jede Öffnung gut 100ml fasst. Der Vorteil daran ist, dass man nachher, wenn man z.B. eine 300ml Kerze gießt, genau weiß dass man 3 von diesen Blöcken braucht.

Material zur Herstellung

Um Kerzen herzustellen braucht man grundlegend einmal 2 Dinge: Kerzenwachs und Docht. Allerdings gibt es auch hier natürlich ein paar Dinge zu beachten.

Wachs

Es gibt grundlegend 3 Arten von Kerzenwachs:

  • Paraffin - das billige Standard-Wachs
  • Bienenwachs - das hochwertige, gut-riechende goldgelbe Wachs
  • Stearin - das Wachs, das aussieht wie kristallisiert

Die meisten Leute werden wohl erstmal mit Paraffin arbeiten. Grundlegend sollte man verschiedene Wachsarten nicht mischen. (bei Paraffin und Bienenwachs macht es nichts, aber es ist schade um das schöne Bienenwachs, wenn man es mit Paraffinwachs verpanscht).

Man kann Wachs in Granulat- oder Pulver-Form kaufen oder alte Kerzen einschmelzen. Letzteres ist natürlich deutlich billiger (vor allem kann man dadurch Material wiederverwerten, das sonst im Restmüll landet) und wenn man genug Leute kennt kann man hier auch ordentliche Mengen einsammeln. 

Wichtig ist, dass Restwachs niemals direkt verwendet werden darf, da es Verunreinigungen enthält (Dochtreste, Ruß) und daher erstmal aufbereitet werden muss. Zu dem Thema schreibe ich irgendwann noch einen separaten Artikel.

Docht

Hier muss man aufpassen, dass man unbedingt den richtigen Docht für das richtige Wachs verwendet. Für Paraffinwachs sind ausschließlich Flachdochte geeignet, Runddochte rußen dagegen nur massiv. Flachdochte können in beliebige Richtung eingezogen werden.

Darüber hinaus ist die Dicke des Dochts wichtig, die man abhängig von der jeweiligen Kerzenform kaufen sollte. Eine Kerze mit einem Durchmesser von 8cm braucht natürlich einen breiteren Docht als eine mit nur 4cm. Hier muss man nicht übertreiben, aber 2-3 verschiedene Größen an Docht sollte man schon vorrätig haben. Das muss man auch einfach ausprobieren, welche Dicke mit welcher Form gut funktioniert.

Wachsfarbe

Insbesondere wenn man weißes Wachs kauft aber auch, wenn man Restwachs mischt und die Farbe nicht so toll ist: Man kann flüssiges Wachs mit Wachsfarbe umfärben. 

Wichtig: Man kann, wie auch bei normalen Malfarben, immer nur "dunkler" mischen, nicht heller. Daher wird man aus rotem Wachs niemals gelbes bekommen können, aber umgekehrt ginge es durchaus. Am ehesten färbt man aber weißes Wachs, bei Restwachs vor allem dann, wenn es kein "schönes" Weiß mehr ist.

Aufpassen bei schwarz/grau: Will man diese Farben mischen, darf man niemals farbiges Wachs als Basis nehmen, da ein kleiner Stich vom ursprünglichen Farbton immer drinbleibt. 

Generell hat Wachs in flüssiger Form nicht immer dieselbe Farbe wie wenn es fest wird. Um zu checken ob die Farbe richtig ist, sollte man daher ein paar Tropfen übereinander auf einer Testplatte trocknen lassen (so dass es ein kleines Kügelchen gibt).

Schmelzbehälter

Grundsätzlich wird beim hobbymäßigen Wachsgießen immer das Schmelzen im Wasserbad empfohlen. Heißt also: Ein Topf auf die Herdplatte mit Wasser drin, was man erhitzt und oben in den Topf dann einen Schmelztiegel, der das Wachs enthält. 

Vorteil daran ist natürlich, dass das Wachs selbst nicht in die Nähe der Herdplatte kommt. Nachteil ist, es ist sehr ineffizient, da viel Energie verschwendet wird und man auch keine riesigen Mengen auf einmal schmelzen kann (bzw. das dann extrem lange dauert).

Ich verwende stattdessen eine andere, etwas direktere Methode. Dabei muss ich allerdings ausdrücklich darauf hinweisen, dass diese Methode deutlich gefährlicher ist und daher nur von Erwachsenen und nur unter voller Aufsicht durchgeführt werden sollte.

Hochwertiges hitzebeständiges Laborglas kann man direkt auf eine kochend heiße Herdplatte stellen, ohne dass es kaputt geht oder platzt. Füllt man das Wachs in so ein Glas, schmilzt es extrem schnell.

Vorteile:

  • Höhere Effizienz, da 100% der Energie direkt zum Wachsschmelzen verwendet wird
  • Laborgläser gibt es mit ml-Angaben in verschiedenen Größen, dh. man kann exakt so viel Wachs abmessen, wie man braucht
  • Laborgläser gibt es mit Ausguss-Tülle, dh man gießt nicht daneben

Da man das heiße Glas nicht anfassen kann, benötigt man außerdem eine Vorrichtung zum Hochheben. Ich verwende hier einfach ein Küchentuch, was mehrfach um das Glas herumgeschlagen wird.

Nachteile:

  • Wenn man nicht aufpasst wird das Wachs auf diese Weise deutlich (!) heißer, als wenn man es im Wasserbad schmilzt. Je nachdem, welche Art von Kerze man gießt, sollte man es dann vorher noch ein wenig abkühlen lassen. Ein Thermometer zum Reinhängen ist sehr zu empfehlen (niemals bis auf den Boden fallen lassen während es auf dem Herd steht!)
  • Man kann sich wahnsinnig die Finger verbrennen wenn man nicht aufpasst
  • Wenn ein Glas defekt oder billig verarbeitet ist, kann es springen, das Wachs fließt dann direkt auf die kochende Herdplatte und geht im schlimmsten Fall in Flammen auf. Deswegen darf man es niemals alleine lassen und sollte immer eine Löschmöglichkeit griffbereit haben (ein nasses Handtuch o.Ä.)

Da das von mir beschriebene Vorgehen recht riskant ist, spreche ich keine Empfehlung dafür aus, halte aber fest, dass ich (mit etwas Übung) sehr gut damit zurechtkomme. Letztendlich muss jeder für sich schauen, womit man besten klarkommt.